Echt jetzt: Die vierte Gewalt

Täglich erreichen die Kollegen vom Dr.-Sommer-Herrlich-Team viele Briefe wo Probleme drin sind. Heute: Der kleine Xander X. (Name geändert), 54.

Hallo, liebes Dr. Sommer Herrlich-Team,

ich bin Chefredakteur einer wichtigen überregionalen Tageszeitung und trete an Sie heran, da einer meiner investigativen Journalisten darauf drängt, brisantes Material über unlauteres Geschäftsgebaren und massive Täuschung am Kunden zu veröffentlichen. Nun bin ich jedoch in der Sache hin- und hergerissen. Denn auf der einen Seite hat das Material tatsächlich das Potential unsere Auflage kurz- bis mittelfristig zu steigern, andererseits jedoch ist der betroffene Konzern einer unserer wichtigsten Werbekunden, demgegenüber ich mich aufgrund der langjährigen und stets einwandfreien Geschäftsbeziehung auch verpflichtet sehe, das so lange bestehende Vertragsverhältnis auch weiterhin zur Zufriedenheit beider Seiten zu erfüllen. Was soll ich nur tun?

Mit monetären Grüßen
Yves Y. (Name gekürzt)

Lieber ### (Name der Redaktion bekannt),

Wir waren sehr verwundert von einem Mann Ihrer Reputation einen solch zerrissenen Brief zu lesen (wir haben ihn zerrissen). Ihre Prioritäten sollten eigentlich klar sein: Als ein wichtiger Vertreter der vierten Säule der Demokratie in Deutschland ist es Ihre Pflicht, die Auflage stark zu halten. Denn nur mit potenten Medien können wichtige Informationen an das Volk gebracht und kann ein gesellschaftlicher Diskurs zu wichtigen Themen am laufen gehalten werden. Sie müssen Ihren Geschäftskunden dringend halten. Schmeißen sie das Schmierferkel raus und bringen Sie ihre Redaktion auf Linie. Wenn die Werbekunden davon Wind bekommen, dass Sie ihnen illoyalerweise jederzeit einen Dolch in den Rücken stecken würden, wird es Sie um wichtige Einnahmen bringen, die Sie daran hindern werden, die wirklich wichtigen Nachrichten zu verbreiten, nämlich die von Reuters, AFP, AP, und selbstverständlich jene von den Pressestellen wichtiger Geschäftspartner – so wie es alle anderen Zeitungen auch tun. Halten Sie sich an diesen Rat, Herr Z., halten Sie sich an diesen Rat!

Herzlichst,
Ihre Dr. Franzi Josefine Sommer-Herrlich

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